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Only in America – ein Bericht über meine Reise nach Dallas

Only in America – das war mein Gesamteindruck meiner Reise nach Dallas. Im Januar 2020 hatte ich mich für die Texas School of Photography angemeldet. Der Workshop sollte Ende April 2020 stattfinden. Der Grund, warum ich daran teilnehmen wollte, ist, dass ich mein Studium der Fotografie in den USA gemacht habe und dort mein eigenes Studio bis 2017 hatte. Meine Wurzeln in der Fotografie liegen in den USA. Bis 2017 habe ich mich dort immer weitergebildet, mich mit anderen Fotografen aus ganz USA ausgetauscht und habe Messen besucht. Mein Mentor, Steve Kozak, war es, der mich auch dazu überredet hat, meinen Abschluss als Certified Photographer bei Professional Photographers of America zu machen. Dies prägte meine Fotografie und meine Inspirationen bekomme ich auch aus den USA. In Deutschland habe ich bis heute nicht dieselben Inspirationen bekommen.

Workshop Ausfall – verschoben – keine Einreise

Aufgrund der Pandemie fiel der Workshop 2020 aus und ich konnte auf 2021 verschieben. 2021 wurde der Workshop von April auf Oktober verlegt, von Deutschland aus gab es keine Möglichkeit in die USA einzureisen. So verschob ich meine Teilnahme um ein weiteres Jahr, auf 2022.

Eigentlich standen die Chancen gut, dass ich in diesem Jahr endlich daran teilnehmen konnte, bis der Krieg in der Ukraine begann. Ich hatte wieder die Ungewissheit, dass ich nicht fliegen könnte. Die Zeit verging und langsam freute ich mich auf meine Reise. Doch es konnte immer noch sein, dass ich mich mit Corona ansteckte, denn die Inzidenzen waren sehr hoch. Ich schützte mich so gut ich konnte. Am Ostersonntag, mein Geburtstag, musste ich mich testen lassen. Wäre mein Test positiv, könnte ich nicht nach Dallas fliegen. Doch alles war gut. Jetzt war ich überglücklich. Das war wohl das schönste Geburtstagsgeschenk, das ich bekommen konnte. Erst jetzt konnte ich mich auf meine Reise freuen.

Meine Reise

Am Ostermontag, 18.04.2022, brachte mich mein Mann nach Frankfurt zum Flughafen. Jetzt sollte es endlich losgehen. Jetzt war ich doch sehr aufgeregt und freute mich nun auf meine Reise. Jacqueline, die Frau meines ehemaligen Mentors, Steve Kozak, hatte schon alles für mich vorbereitet und freute sich sehr auf meinen Besuch bei ihnen, bevor wir nach Arlington ins Hotel gingen, wo die Texas School of Photography stattfinden sollte.

Der Flug war lang, aber direkt. 11 Stunden saß ich auf meinem engen Platz in der 32. Reihe, hörte Podcasts, las ein schönes Buch und schaute einen Film. Auch mit meiner Nachbarin auf dem Platz neben mir tauschte ich mich aus. So habe ich den Flug auch sehr gut hinter mich gebracht.

In Dallas wurde ich von Steve und Jacqueline erwartet. Sie holten mich vom Flughafen ab. Wir stoppten auf der Fahrt nach Hause bei Tacco Bell und hatten einen kleinen, aber feinen leckeren Tacco-Snack.

Ankommen

Es war so schön, die beiden wiederzusehen. Wir kamen bei ihnen zuhause an und Jacqueline hatte schon mein Zimmer und mein Bad hergerichtet. Alles war liebevoll dekoriert und es standen alle wichtigen Dinge, wie Kosmetik etc. bereit.

Später kamen Freunde von ihnen, die auch an der Texas School teilnahmen. Er brachte frische Steaks aus Wisconsin mit und bereitete für alle das Dinner. Wir Frauen fuhren in der Zwischenzeit zum Wallmart und kauften noch ein paar Kleinigkeiten ein. Ich fühlte mich so gut.

Zurück zuhause, gab es auch schon Dinner. Steve war ziemlich beschäftigt mit den Vorbereitungen für die Texas School, weil er alles mit organisiert. Danny, der Freund von den beiden, ist Masseur und ich bekam eine Massage für meine Schulter, die seit Monaten schmerzt (Frozen Shoulder). Das tat so gut. Gegen 21 Uhr bin ich dann endlich ins Bett gefallen und konnte auch direkt einschlafen. Nur einmal wurde ich nachts wach.

Die ersten Tage bei Steve und Jacqueline

Die nächsten zwei Tage verbrachten wir mit Shopping und Essen Gehen. Ich hatte einiges auf meiner Liste stehen, war ich doch fünf Jahre weg. Marshalls, Ross, Maurices, die Outlet-Mall, Gap, Guess, Hilfiger, Walmart, Walgreens, Victoria Secrets, daran kam ich nicht vorbei, und, und und – es war herrlich. Meine Ausbeute war grandios, kam ich doch mit einem fast leeren Koffer an.

Zur Maniküre und Pediküre waren wir auch. Wir wollten doch ordentlich bei der Texas School aussehen. Außerdem packten wir unsere Sachen für das Hotel, wo wir am Donnerstag hinfuhren.

Zu den Abendessen gab es Mexikanisch oder Steaks.

Abreise zum Hotel

Den Morgen begannen wir wie jeden Morgen, Nachrichten schauen und Kaffee trinken und dann wurde gepackt und das Haus aufgeräumt, die Katze und der Garten mit den vielen Blumen und Pflanzen versorgt. Am frühen Nachmittag fuhren wir dann nach Addison ins Hotel.

Ankommen im Renaissance Hotel Addison

Noch ist hier alles leer!

Jetzt sollte bald die Texas School starten. Ich konnte es kaum abwarten. Die ersten drei Nächte wohnte ich bei Steve und Jacqueline im Apartment, da ich kein Hotelzimmer mehr für diese Zeit bekommen habe. Tagsüber waren Steve und Jacqueline mit den Vorbereitungen und Meetings zur Texas School beschäftigt. Abends saßen wir zusammen.

Treffen mit Shana bei Chili's - einer ehemaligen Kundin

Treffen mit Shana

Am Freitag Abend kam eine ehemalige Kundin von mir mit ihrem Sohn mich abholen. Sie wollte mich unbedingt wiedersehen. Sie lud mich zu Chili’s ein, einem amerikanischen Restaurant mit TexMex, wo wir auch schon früher immer gern hingegangen sind.

Das Wetter war noch garnicht sehr warm, naja wir hatten die ganze Zeit ca. 28 – 30 Grad C°, aber in allen Innenräumen läuft die Klimaanlage sehr kalt und mit viel Lüftung. So bekam ich natürlich direkt eine Erkältung davon und saß am Donnerstag und Freitag mit einem schönen Buch im Hotelzimmer und bin nur raus, wenn ich etwas zu Essen brauchte. Das tat ganz gut.

Beginn der Texas School

Am Samstag, 28.04., fand meine Precon-Klasse statt. Ich hatte mich für PG Gudphotography angemeldet. Den ganzen Tag lernten wir worauf es beim Drucken eines Portraits ankommt, von der Aufnahme bis hin zum Ausdruck.  Für mich war dies sehr interessant, ich besitze zwar einen großen Drucker, aber ich drucke meine Portraits noch nicht selber.

Am Abend traf ich mich mit Heike und Denny, die ich bei Jacqueline und Steve kennengelernt hatte. Wir aßen bei TaccoBell. Im Anschluss fand die Award Ceremony statt, bei der alle Gewinner geehrt wurden, die ihre Fotos für den Fotowettbewerb eingereicht hatten. Hier sahen wir viele herausragende Bilder und deren Besitzer. Auch Jacqueline wurde geehrt, weil sie mit ihrer Arbeit die Texas School seit Jahren unterstützt.

Am Sonntag Mittag war ich von einer weiteren ehemaligen Kundin zum Mittagessen eingeladen. Wir waren in der Galerie, wo ich meine lang vermissten Huevos Rancheros aß und wir Mimosas tranken. Es war herrlich. Ich hatte 2016 ihre Verlobung in White Sands fotografiert. Jetzt trafen wir uns nach fünf Jahren wieder.

Nach diesem wunderbaren Essen bezog ich mein Zimmer, das ich mit Serena teilte. Serena kam aus Kalifornien zur Texas School und hatte sich für Lightpainting angemeldet.

Später begann die Registrierung für unsere Klassen. Ich hatte mich für die Cris & Deanna Duncan’s Klasse angemeldet und wollte neue Wege bei der Lichtsetzung lernen, “Lighting For Sales”.

Treffen zur Orientierung - Only in America

Treffen zur Orientierung

Nachdem wir ein gutes Abendessen bekommen haben, das von einem amerikanischen Fotolabor gesponsort worden war, trafen sich alle Teilnehmer zur Orientierung in einem großen Raum. Ich setzte mich zu meiner Klasse. Es waren noch drei Plätze frei und ich nahm einen davon. Kurz darauf kam Jenny und fragte, ob sie den Platz neben mir haben könne und dann folgte Shama, die den letzten Platz in unserer Ecke ergatterte. Schnell stellten wir uns untereinander vor, bevor es mit Ansprachen und Informationen los ging. Im Anschluss gingen wir in unseren Klassenraum.

Wir drei wollten alle in der ersten Reihe sitzen und so kam es, dass wir uns ganz vorn zusammengesetzt haben ;-). Das Eis war gebrochen.

Hier gab es als erstes eine Vorstellungsrunde. Uns erwarteten Snacks und Wein und Menschen, die wie wir, etwas über Fotografieren in verschiedenen Lichtsituationen lernen wollten. Chris und Deanna erklärten, was wir in dieser Woche lernen würden und wir konnten unsere Wünsche äußern. Ihnen war sehr daran gelegen, dass wir eine unvergessliche Woche verbringen und Freunde werden. Gegen 21 Uhr war der erste Schultag geschafft.

Der Anfang war getan.

Die Texas School

Only in America

Chris and Deanna Duncan – Lighting for Sales

Am Montag, 25.04., startete dann der Workshop richtig. Täglich trafen wir uns ab 08:00 Uhr morgens in unserem Klassenraum. Hier erwarteten uns frischer Kaffee und Snacks, bevor 08:30 Uhr der Unterricht los ging. Ab 08:00 Uhr war auch die Ausstellung eröffnet. So konnten wir noch vor dem Unterricht neue Produkte und Equipment ausprobieren und unsere Kameras bei Canon reinigen lassen. Das war eine tolle Möglichkeit.

Jeden Tag sind wir zur Ausstellung gegangen. Es gab soviel zu entdecken, ob Elinchrom (das ist die Firma, von der ich meine Blitzanlage nutze), über Canon bis hin zu Fotohintergründe und Fotolaboren. Alle neuen Produkte waren zu sehen und wir konnten ausprobieren, anfassen und direkt kaufen. Es war für mich eine einmalige Gelegenheit, neue Ideen zu sammeln und einzukaufen (zumindest, das, was ich in meinen 23 kg Gepäck mitnehmen konnte).

Der Unterricht war sehr abwechslungsreich, von Theorie, Methoden, Ideen, über Lichtsetzung, Praxis mit uns und mit Models, entweder im Studio, das in unserem Klassenraum aufgebaut war oder im Freien rund um das Hotel, einmal sind wir sogar zu einer alten Sandmill gefahren. Diese Location war für jeden Fotografen etwas ganz besonderes. Auch hier bekamen wir Models zugewiesen und arbeiteten in Gruppen.

Die Mittagspausen verbrachte ich mit meinen neuen Freundinnen in Hotelnähe in Restaurants. Abends gab es immer ein Abendessen, dass gesponsert wurde. Abendveranstaltungen gab auch. Wir  wurden zu einem Texanischen Abend zu einer Eventlocation gefahren. Hier gab es amerikanisches Barbecue und Live Musik.

Während der Anfahrt dorthin habe ich meine bekannten Gesichter verloren und habe mich drei Frauen angeschlossen, mit denen ich im Bus zusammen saß. Später habe ich dann einige wieder entdeckt und mit ihnen den Abend bei toller Musik verbracht.

In diesem Jahr gab es eine Toga-Party. Jeder, der Lust auf Kostüm hatte, konnte sich entsprechend kleiden. Wir hatten eine Menge Spaß und haben lange getanzt, obwohl ich vorher gesagt hatte: “I am not dancing!” – Wie heißt es doch so schön, “sag niemals nie”. :D

Einen Abend hatte die Tradeshow, also die Ausstellung bis abends geöffnet und es gab jede Menge Preise zu gewinnen. Wir hatten die Möglichkeit, uns die Produkte an den Ständen erklären zu lassen und die Unternehmen persönlich kennenzulernen. Dabei habe ich viele neue Ideen für mein Business bekommen. Am meisten haben mich die Stände der Firma Elinchrom, 3XM Solutions und Midsouth Color Lab interessiert sowie die Stände mit Hintergründen. Und natürlich habe ich mir auch etwas gekauft, wie kann man auch nicht bei diesen tollen Rabatten, die es extra für die Texas School gab. ;-)

Am letzten Abend fotografierten wir in der Sand Mill, einer wunderschönen Location, besonders für Fotografen. Nachdem wir wieder zurück waren und gegessen hatten, war es auch schon nach 21 Uhr. Im Hotel haben wir uns dann noch in der Bar getroffen und einen lustigen Abend ausklingen lassen.

Übrigens, wir waren vier deutsche Fotografinnen, die sich dort getroffen haben. Jacqueline, kannte ich schon, Heike kam mit ihrem Mann den langen Weg von Wisconsin und Claudia lebt auch schon lange in den USA.

Only in America

The Germans …

Am Freitag, 29.04., war es Time to say Goodbye. Wir trafen uns noch einmal alle zu einer Abschlussveranstaltung, bei der Preise ausgelost wurden und ein Video vorgeführt wurde, bevor wir uns ein letztes Mal in unserem Klassenraum trafen und uns verabschiedeten. Es wurde sehr emotional, da Deanna und Chris für jede Person individuell eine kurze Rede zusammengestellt hatten. Dann war es auch schon Zeit, uns von unseren neuen Freunden zu verabschieden. Bye, bye, Jenny, Shama, Liliana …

Danach hieß es Koffer packen. Ich half noch Steve, Elisabeth und Jacqueline beim Ausräumen von Steves Klassenraum und dann fuhren wir zu Steve und Jacqueline. Den letzten Tag vor meiner Abreise verbrachten wir ruhig. Wir wollten uns einfach nur ausruhen … und noch einmal Steak essen.

Im Restaurant war es sehr, sehr kalt. Die Klimaanlage war wieder heruntergekühlt. Wir hatten unsere Jacken vergessen. Aber … im Auto fand Steve noch die Toga-Kostüme ;-). Diese Kostüme waren unsere Rettung – wir fühlten uns wie Königinnen.

Steak essen im Toga Kostüm - Only in America

Steak essen im Toga Kostüm

Am Samstag flog ich mit vielen schönen Erinnerungen wieder nach Deutschland.

Bye, bye America - Only in America

Bye, bye – I’ll be back in one year!

Ich danke vor allem Steve und Jacqueline für ihre Bemühungen, dass Sie mich dabei unterstützt haben, dass ich an der Texas School of Photography 2022 teilnehmen konnte. Ohne die beiden hätte ich nicht diese Gelegenheit gehabt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Die Texas School of Photography ist auch in den USA einmalig. Es kamen Fotografen aus der ganzen USA zusammen, vor allem aber aus Texas. Das Event ha

Es waren sechs intensive Tage, mit der besten Fotografie-Ausbildung, die es in der Welt gibt, kleine Klassen, freie Events, bei denen man mit ca. 1000 Fotografen zusammen kommt, ca. 70 Foto-Aussteller mit super Discounts.  Ich habe viel gelernt, habe neue Freunde fürs Leben gefunden und hatte viel Spaß. Only in America.

Ein Brief an mein 10 Jahre jüngeres ICH – Wie alles begann

Liebe Karina,

im Moment steckst Du in den Vorbereitungen für eine große Reise, von der Du glaubst, dass sie nur ein Abstecher von drei Jahren sein wird. Ich kann Dir sagen, diese Reise wird wesentlich länger dauern, als Du es jetzt erwartest. Es ist Juni 2009, nur noch ein Monat und die Reise beginnt. Du hast Deinen Job gekündigt, damit Du Deinem Mann, Michael, der für die Deutsche Bundeswehr dort arbeitet, begleiten kannst. Niklas, Euer Sohn, ist jetzt fünfeinhalb Jahre. Für ihn wird dieser Aufenthalt seine gesamte Kindheit beeinflussen.

Dir steht eine kreative Karriere bevor, ob Du es glaubst oder nicht. In einem Jahr wirst Du ein Studium als Fotografin beginnen. Du sagst Dir jetzt sicherlich, dass Du überhaupt nicht kreativ bist. Warte ab, die Menschen werden Deine Kreativität bald sehr schätzen.

Obwohl Du im Leben schon viel gereist bist, wird diese Reise Dich sehr prägen. Du hast sicher viele Vorstellungen von Amerika, aber all diese Vorstellungen werden übertroffen werden. Du, Dein Mann und Dein Sohn werdet in Alamogordo Euer neues Leben leben, das so anders sein wird, von dem, das Du bisher kennengelernt hast. Und gemeinsam mit Deiner Familie wirst Du ein neues Abenteuer erleben.

Wenn Ihr, Du und Niklas, am 18.07.2009, ja richtig, nicht am 17.07.2009 wie Du es planst, denn der Flug in Leipzig fällt wegen Gewitter aus, spät abends in den USA ankommt, werdet Ihr von der Wüste empfangen, die heiß und trocken ist. Der Himmel wird von Blitzen gefüllt sein, denn die Monsunzeit hat begonnen. Dein Mann wird Euch abholen und Dich und Deinen Sohn in Euer neues Zuhause bringen, in das Du Dich sofort verliebst wirst.

Unser Zuhause in Alamogordo, NM

Das Gebiet rund um Alamogordo wird Dich an weites Indianerland erinnern, wie Du es aus den meisten amerikanischen Filmen kennst, mit Tumbleweed, das vom Wind über die Straße rollt.

Die Stadt Alamogordo ist sehr gemütlich. Alles ist auf einer großen Fläche weit auseinander gezogen. Die Straßen sind sehr breit und das Autofahren sehr bequem.

Mit Energiesparen und Umweltschutz ist es in den USA nicht so gut bestellt. Das mit der Mülltrennung wird Dich noch überraschen.

Der Nationalpark „White Sands National Monument“ wird nur ca. 20 Meilen von Deinem Zuhause entfernt sein. Es ist unglaublich hell und heiß dort, und der Sand ist weißer und feiner als an der Ostsee. Dort gibt es viele interessante Pflanzen und Tiere, die sich an die Umwelt angepasst haben.

Dein Mann und Dein Sohn werden den ganzen Tag auf Arbeit und in der Schule sein. Niklas wird in die Kindergarden-Class (bei uns Vorschule) eingeschult. Du wirst zunächst keine Beschäftigung haben und die viele Freizeit wird Dich schnell dazu veranlassen, Dir eine Aufgabe zu suchen. Denn du bist es gewohnt, immer zu arbeiten. Also wirst du beschließen, Dein Englisch vor Ort zu verbessern und wirst Dich zum GED (Highschool-Abschluss, den man für die Uni benötigt) einschreiben. Mit diesem Abschluss ist es möglich, Kurse an der Universität zu absolvieren.

Ein halbes Jahr später, im August 2010, wird für Dich der erste Kurs an der Uni starten: Digitale Fotografie und Design. Du wirst es kaum glauben, aber Deine Professorin an der Uni wird direkt merken, dass Du kreativ bist und in der Fotografie weit kommen kannst. Sie wird dich dazu überreden, Deinen Abschluss in Fotografie zu machen, zu dem nicht nur Fotokurse zu absolvieren sind. Und heute denkst du noch, Du wärst nicht kreativ.

Dein Mann wird Bescheid bekommen, dass er auf der Stelle, auf der er bei der Bundeswehr gerade eingesetzt ist, ein weiteres Jahr bleiben darf. Dies ist der Anlass, dass Du den Abschluss tatsächlich machen wirst.

Nach viel harter Arbeit und engen Bekanntschaften an der New Mexico State University of Alamogordo, wirst Du im Mai 2013 graduieren und wirst sofort danach Dein eigenes Fotostudio bei Dir in der Garage eröffnen. Die meiste Zeit wirst Du Dein Fotostudio in der Natur aufbauen, denn das Wetter ist fast das ganze Jahr über schön. Am Anfang wirst Du Deinen Business nicht wirklich ernst nehmen, denn die Fotografie wird eine Leidenschaft. Es dauert ein weiteres Jahr bis Du zu dem Schluss gelangen wirst, dass Fotografie nicht nur Spaß sein wird sondern Du ein richtiges Unternehmen besitzen wirst und für Deine Arbeit bezahlt wirst.

Mit der Familie wirst Du in den USA durch das Land reisen, Ihr werdet traumhafte Nationalparks besuchen und Ihr werdet jede Gelegenheit nutzen, etwas anzuschauen. Während dieser Urlaube wirst Du Deine Landschaftsfotografie weiter entwickeln und wirst sie auf ein hohes Niveau bringen.

Alamogordo wird Euer Zuhause sein und Ihr werdet Euch als Familie sehr aufgehoben fühlen. Durch Deine Kurse an der Uni wirst Du viele Kontakte knüpfen und daraus werden einige sehr enge Freundschaften entstehen. So wie mit Deiner Freundin, Tina. Tina arbeitet bei der Post in Alamogordo und besucht Kurse an der Uni, um ihre Leidenschaft, die Fotografie, weiterzuentwickeln. Sie wirst Du bei einem gemeinsamen Kurs kennenlernen. Eure Ehemänner werden sich prächtig verstehen, so dass Ihr viele schöne Momente zusammen erleben werdet. Allerdings werden auch sehr traurige, emotionale Moment dabei sein. Deshalb genieße die Zeit mit den neuen Freunden.

Ich empfehle Dir, ab und zu einen Burger im Rock’in BZ Burgers zu essen. Die sind super saftig und man kann die Toppings alle separat wählen. Du wirst den Green Chile Cheeseburger lieben. Hatch Green Chile ist sehr berühmt. Das mexikanische Restaurant “Si Senor” ist sehr zu empfehlen. Die Enchiladas sind ein Traum. Wenn Du am Wochenende mal keine Lust zum Kochen hast, hol Dir und Deiner Familie von Eddi’s Burritos die leckersten Kombinationen an Burritos. Green Chile ist im Süden der USA durch die Nähe zu Mexico sehr berühmt. Du wirst viele mexikanische Gerichte entdecken und im August/September wird das Chile geröstet, was einen unglaublich tollen Geruch in der Stadt verbreitet.

Aber am schönsten ist es Zuhause. Ihr werdet viel Zeit mit Freunden verbringen. Genieß Dein Zuhause in der Wüste, sauge jeden Sonnenstrahl auf, den Du einfangen kannst und halte den Kontakt zu Deinen amerikanischen Freunden aufrecht. Denn irgendwann musst Du wieder zurück nach Deutschland ziehen. Dann heißt es “BACK TO REALITY”.

Heute, zehn Jahre später, bin ich Fotografin in Deutschland und ich würde diesen Schritt immer wieder gehen. Es ist so eine Leidenschaft daraus entstanden, ich liebe jeden Moment an meinem Beruf. Es ist nicht immer leicht, besonders nachdem Du/Ich in den USA sehr erfolgreich Familien und Kinder fotografierst. In Deutschland gibt es ein ganz anderes Denken, was Familienfotos angeht. Stell Dich vor allem darauf ein, dass Du später den Leuten in Deutschland Deine Kunst näher bringen möchtest, die, geprägt durch die USA, doch ganz anders ist als die Kunst in Deutschland.

Ich bin sehr aufgeregt für Dich und Dein großes Abenteuer. Es gibt viele Dinge zu entdecken. Ich freu mich riesig für Dich und Deine Familie. Und ich würde es immer wieder genauso machen wie ich es gemacht habe.

Liebe Karina, Du bist jetzt an einem Punkt, wo Du Dir dieses neue Ich noch nicht vorstellen kannst. Warte ab und saug alles auf, was Du lernen kannst. All dieses Wissen hilft Dir im Leben voranzukommen. Ich bin so glücklich darüber, diese Erfahrung und vor allem die positive Einstellung zum Leben von dort mitgenommen zu haben.

Viel Spaß wünscht Dir Dein zehn Jahre älteres ICH.

Karina

Karina 2019

P.S. Lange Haare stören beim Fotografieren! ;-)