Viele Menschen glauben, dass eine Begabung angeboren ist und dass man diese Begabung nicht erlernen kann. Ich bin nicht, wie es jeder glaubt, schon als kleines Kind mit der Kamera herumgelaufen und habe fotografiert. Wenn ich in Google nach Fotografen suchen, steht bei den meisten Fotografen, dass sie schon seit sehr langer Zeit die Leidenschaft zur Fotografie besitzen, oft auch, dass sie schon seit ihrer Kindheit fotografieren, da die Eltern Fotografen waren. Bei mir war das anders. Bis ich 40 Jahre alt wurde, dachte ich im Traum nicht daran, Fotografin zu werden.

Meine Schwerpunkte bis ich 39 Jahre alt war

In meinem Lebensumfeld hatte ich kaum Berührungspunkte mit der Fotografie oder Kunst. Ich habe lange Jahre als Sekretärin gearbeitet und mich in meiner Freizeit auch nicht mit Kunst auseinandergesetzt. Ich wollte immer, einen guten Job haben und mich um mein Kind und die Familie kümmern.

Plötzlich war alles anders

Mein Mann wurde von der Bundeswehr in die USA, New Mexico versetzt. Nach dem Neubeginn und unserem Umzug, haben sich meine Wünsche bezüglich der Arbeit geändert. Bis zu jenem Zeitpunkt habe ich in Deutschland gearbeitet. Als Ehefrau und Mutter hatte ich in den USA aber plötzlich kaum eine Möglichkeit zu arbeiten.

Mein Leben lang wollte ich arbeiten, jetzt hatte ich nur noch Haus und Familie. Das reichte mir nicht. Ich brauchte eine Aufgabe. Mein Mann war den ganzen Tag auf Arbeit und unser Sohn in der Schule. So beschloss ich, mein Englisch aufzufrischen, wenn man doch schon im Land ist. Ich sprach schon gut Englisch, wollte es aber noch weiter verbessern. Ich absolvierte 2009 den GED (Highschoolabschluss, den man für die Zulassung zur Uni haben muss) und meldete mich 2010 an der New Mexico State University of Alamogordo an.

Da ich mir zu diesem Zeitpunkt eine digitale Spiegelreflexkamera gekauft hatte und ich sie nur im Automatik-Modus bedienen konnte, beschloss ich, mich für einen Kurs “Digitale Photography and Photoshop” anzumelden, bei dem ich, wie ich vermutete, genauso gut englisch lernen konnte. Gesagt, getan.

Ich lerne gerne mit und von anderen Menschen. Deshalb suchte ich mir einen Lehrer/Mentor. Ich brauche für die meisten Dinge einen Lehrer/Mentor. Nach dem 1. Semester an der Universität beschloss ich, meinen Abschluss in Fotografie zu absolvieren. Im Mai 2013 graduierte ich und eröffnete direkt im Anschluss mein Fotostudio.

Meine Leidenschaft zur Fotografie

Von Beginn des ersten Semesters, in dem ich Fotografie studierte, fotografiere ich aus Leidenschaft. Ich lebe die Fotografie. Die Fotografie lebt mit mir. Sie begleitet mich. Eine Kamera ist stets dabei. Egal, wo ich bin, ich liebe es, Ausschau nach bemerkenswerten Szenen zu halten, mich ganz den Dingen um mich herum zu öffnen und zum Entdecker von Motiven zu werden. Im richtigen Moment an der richtigen Stelle zu sein oder auf den richtigen Moment zu warten, das ist eine Herausforderung für mich. Ich kann es kaum erwarten, die fotografierten Bilder zu entwickeln und schön zu bearbeiten und bin überglücklich, wenn ich dann positives Feedback dazu erhalte.

Der Blick für das Besondere

Ob Landschaften oder Portraits – mein Herz schlägt schneller, wenn ich fotografiere. In den meisten Fällen sieht das Objekt, das ich fotografieren möchte, durch meinen Sucher in der Kamera komplett anders aus, denn ich erzeuge durch meine Vorstellungen und die technische Umsetzung ein ganz anderes Foto. Das will nicht heißen, dass ich das Bild verfälsche. Es sieht nur anders aus, anders für diejenigen, die keine Vorstellung davon haben, wie man Fotografie umsetzen kann. Sobald ich an einen Ort komme, überlege ich mir wie ich diesen Ort in meinen Bildern wunderschön festhalten kann, nach meinen Ideen. Dabei spielt die Bildkomposition eine ganz große Rolle. Denn ob ich das Objekt von weiter weg fotografiere oder näher heran gehe, von welcher Seite das Licht einstrahlt oder wie ich die Schatten sehe, ob ich mit künstlichem Licht arbeite oder das natürliche Licht nutze – es gibt unzählig viele Möglichkeiten, das Bild nach seinen Ideen zu gestalten. Und das ist die Leidenschaft, die in mir steckt. Das gilt nicht nur für Landschaftsaufnahmen, sondern auch für Portraits.

Heute ist Fotografie nicht nur mein Beruf oder ein Hobby, sondern meine Leidenschaft, und es macht mir Spaß, Menschen im rechten Licht darzustellen. Die Fotografie hat mein Leben in den letzten Jahren eindeutig verändert. Sie verhalf mir dazu, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Ich inspiriere mich immer wieder neu und meine Kamera begleitet mich fast täglich. Ich liebe es perfekt und gebe den Bildern am Computer den letzten Feinschliff.

Eine Leidenschaft ist nicht angeboren, man kann sie für sich auch viel später entdecken, wenn man überhaupt nicht daran denkt. Ich hatte diesen Blick für das Besondere nicht schon mein Leben lang, diese Leidenschaft ist plötzlich und unerwartet in mein Leben getreten, als ich damit niemals gerechnet habe. Ich habe sie für mich entdeckt und weiß, dass man eine Leidenschaft weiterentwickeln kann.

Vielleicht schlummert in Ihnen auch eine Leidenschaft, von der Sie noch nichts wissen.

1 Antwort
  1. Doris Bürgel
    Doris Bürgel sagte:

    Liebe Karina,
    es ist so schön, dass Du Deine Leidenschaft für die Fotographie entdeckt hast. Es ist so wunderbar wie Du darüber schreibst. Das ist wahre Leidenschaft!
    Alles Liebe, Doris

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